Hilfe zur Selbsthilfe

Der erste Schritt in Kasana/Luweero/Uganda
9köpfiges Team verbringt "Urlaub" im Kasana "Hospital"

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"das war ein Erlebnisurlaub, eine Herausforderung für Körper und Geist und Streicheleinheiten für unsere Seelen", so Axel Helmholz, nachdem er total erschöpft aber überglücklich von einem 16 tägigen "Trip" aus Luweero/Uganda zurückkehrte.

Das ostafrikanische Land Uganda ist mit 34 Millionen Einwohnern in der Fläche so groß, wie die ehemalige Bundesrepublik Deutschland. Nach dem Bürgerkrieg unter Idi Amin ist das jetzige Parlamentsystem nicht nur wirtschaftlich aufstrebend. Die stabile Regierung unter Präsident Museveni sorgt seit 25 Jahren für Frieden, ökonomischen Aufschwung und auch für eine verbesserte medizinische Versorgung.

Dabei helfen verschiedene internationale Organisationen, wie die WHO, Lions , UEHCA, letztere besonders auf dem Gebiet der Augenheilkunde und Augenoptik. Von insgesamt 32 einheimischen Augenärzten sind 25 beruflich aktiv. Diese betreuen die, über das ganze Land ziemlich gleichmäßig verteilten 13 staatlichen Augenkliniken mit deren Außenstellen. Ziel der ugandischen Regierung ist es, fehlsichtige Bürger mit entsprechenden Brillen zu versorgen und die einheimischen Augenärzte in modernen Operationstechniken schulen zu lassen.

Hanfred Spirgatis (Inhaber einer Optikgerätefabrik und Brillenglasschleiferei), als Präsident der UEHCA (Uganda Health and Eye Care Association) sagte der ugandischen Regierung zu, in den nächsten Jahren alle 13 Augenkliniken mit Brillenglasschleifereien auszustatten. Zusätzlich will er dafür sorgen, dass Optiker bzw. Refraktionisten im Land geschult werde, so dass eine Selbstversorgung der Bevölkerung auf Dauer sichergestellt werden kann.

Als erster Schritt reisten Herr Spirgatis und Dr. Ralf Gerl, Leiter und Augenarzt der Augenklinik Ahaus, mit 7 weiteren, hochmotivierten Personen für 3 Wochen nach Uganda.

In 2 "Häusern" wurde gearbeitet: Nach 2tägiger Putz-und Aufräumarbeit, war der "OP-Bereich" für Dr. Gerl und seine beiden Op-Schwestern Renate Lickelmann und Anrea Bach arbeitsbereit und am 17.04. waren 120 Staroperationen unter schwierigsten Bedingungen geschafft (teilweise Stromausfall, Geräteausfall wegen Stromschwankungen, nur 1 Waschbecken, 1 WC für alle Angestellten + Patienten, von Hygiene konnte man nicht sprechen!!)

Im 2ten Haus gab es das "Zimmer" ohne Wasser, z.T. ohne Strom, für die Voruntersuchungen durch den Augenarzt Dr.Ludwig Krabbe und Herrn Spirgatis, sie "schafften" ca .120-150 Personen täglich. Im nächsten Zimmer führte Axel Helmholz Augenglasbestimmung durch und gab fast passende Brillen aus den Spenden der Kunden ab. 2 angelernte Einheimische testeten die Fertiglesebrillen bei den Kunden. Bei besonders schwierigen Gläsern werden die Brillen von Herrn Spirgatis in seiner Werkstatt mit Spezialgläsern angefertigt und in 4-8 Wochen zugeschickt. Pro Tag gab es immer 4-8 Kunden, die zum erstenmal im Leben statt 5% nun 80% gesehen haben, mit gespendeten Brillen! (Für Brillenträger sind -9,75 oder +8,0 oder +13,0 dpt sicher eine Messeinheit, dass sie wissen, wie schlecht die Kunden ohne Brille gesehen haben) Die 100te von Menschen , die zum ersten mal nach 10 oder 20 Jahren dank Lesebrille wieder einen Brief oder -viel wichtiger für sie- die Bibel wieder lesen konnten, waren natürlich ebenfalls überglücklich. Sie haben ca. 2000 Brillen abgegeben!!

Die "erste Hilfe" war der Instrumentenoptiker Matthias Müller, der alles reparierte, für Strom sorgte- was manchmal fast unmöglich war-, aus 3 Instrumenten 1 taugliches baute, oder einfach nur Kabel neu zusammen"baute".

In einem kleine Extrazimmer (ebenfalls ohne Waschbecken!) "hantierte" Zahnarzt Dr. Karges und seine Arzthelferin Frau Musliwiz. Dort wurden Zähne gezogen oder saniert, auf einem einfachen Pumpstuhl ohne Speziallicht, sondern mit batteriebetriebener Kopflampe, wie hier die Jogger sie bei Nacht benutzen!!

Das Ziel war es, Assistenzärzten und OCO's (in Kursen geschulte Optik-Augenarzt-Helfer mit medizinischen Vorkenntnissen) und Hilfskräfte auszubilden und zu schulen, die Arbeit der Gruppe um Dr. Gerl im sehr viel kleinerem Rahmen weiter zu führen. Sie haben die Grundvoraussetzungen geschaffen:
Maschinen, Instrumente, Werkzeuge, OP-Material, Hilfsmaterial, Brillen und Gläser sind da, die Räumlichkeiten müssen noch verbessert werden, der Strom regelmäßiger fließen und die "Angelernten" noch fleißig üben, dann wird aus dieser Station in einigen Jahren eine so gut funktionierende und sich selbst finanzierende Station werden, wie in Buwama und Mpenja.

Und die 9er Gruppe hat beschlossen, nächstes Jahr wieder nach Uganda zu fliegen und nachzuschulen, das wird dann (wahrscheinlich/hoffentlich) mit weniger Strapazen verbunden sein. Und noch etwas ist bei dieser Gruppe anders: Flug, Unterkunft, Verpflegung, Visa, Impfungen etc. wird von jedem komplett selbst bezahlt, es gibt keinen Sonderurlaub und alle haben zusätzlich ihre mitgebrachten Geräte der UEHCA gespendet.

16 Tage - Reise zum Kansana "Hospital" in Luweero, Uganda

Über 2000 Augenuntersuchungen, 130 Staroperationen, 1600 Brillen abgegeben: das ist die Bilanz unseres 9köpfigen Teams.

 

Hier sollten wir 16 Tage arbeiten, und die Sauberkeit der Hinweistafeln ließ die richtigen Rückschlüsse zu: unsere Räume hatten keinen Wasseranschluss, keine Toiletten, nur manchmal Strom.

Mein erster Eindruck auf dem Weg zur neuen Arbeit für 16 Tage: es sind schon mehr als 100 "Patienten und Kunden", die auf uns warten. Was erhoffen die von uns und was können wir denen geben?

Die Einen stehen vor dem Untersuchungsraum des Augenarztes und warten,

die Anderen haben sich vor "meinem" Raum zur Brillenglasbestimmung und Brillenanpassung niedergelassen. Es gab eine Pumpe mit Wasser auf dem Hof, ich habe jedoch niemanden mit Verpflegung gesehen! Die Leute haben fast nichts gegessen oder getrunken! Aber bis zu 14 Stunden gewartet!

Ein OCO (er hat Grundkenntnisse in Augenheilkunde und Optik) lernt von Axel Helmholz die Technik des Glaswechselns in der Messbrille

und den Feinabgleich der Glasstärke mit der Abgleichleiste.

Wir versuchen eine Brille aus einem Stück "Draht" anzufertigen. Der "Meister Helmholz" fängt wieder als "Lehrling" an.

4 fleißige "Lehrlinge" und ich versuchen eine Brille aus Draht, 2 Perlen und 1 Schrumpfschlauch zu biegen.

Die Biegeeinrichtung mit der Biegeliste (dort steht, nach wieviel mm ein Winkel um wieviel Grad und in welche Richtung gebogen werden muss).

Dasselbe, aus anderer Perspektive, mit einer Musterbrille daneben.

Die zweite Biegevorrichtung für die Rundungen, in die die Gläser passen sollen, sieht einfach aus aber die Rundung passt erst, wenn man 20 Stück gebogen hat (und die Finger dicke Druckstellen haben!)

Das endgültige Produkt, vom Profi -dem Erfinder der Brille aus einem Stück- in ca 30 Minuten hergestellt. Wir brauchten da noch erheblich länger (3-4 Stunden!)

Die Brillenproduktion von Ostersonntag, hergestellt von drei Einheimischen.

Jeden Morgen begrüßten uns die kleinen Kinder, die auf der Strasse spielten (die älteren Kinder gehen alle zur Schule oder Vorschule). Alle wollten die Haut der "Weißen" (Muzungu) berühren. So wurde ein Ritual daraus, auf dem Weg zur Arbeit, allen Kindern die Hand abzuklatschen, was allen sehr viel Spaß gemacht hat.

Der gefährliche Weg zur Arbeit führte über die Überlandstrasse: LINKS-VERKEHR!!! Aber Fahrradfahrer fahren auch rechts, manche Motorradfahrer auch!! Wir "wackelten ständig mit dem Kopf", wenn wir die Strasse überquerten, ständig nach rechts und links schauend, bis der Weg geschafft war.

Und für wenig Geld kann man sich hier ein Fahrradtaxi mieten. Auf dem gepolsterten Gepäckträger sitzen die Damen mit beiden Beinen nach links und die Herren ein Bein rechts, eins links.

Auf dem Markt: rechts der Metzgermeister mit den "Frischfleischstücken" auf dem Bananenblatt...

da sah das Obst schon appetitlicher aus, und süße, saftige Annanas gab es ab -,28 € das Stück und 50 Minibananen für 3 €, da haben wir lieber Obst als Fleisch gegessen.

Auch Särge werden hier am Rande des Marktes verkauft: mit seitlichen Fenstern und Gardinen und oben im Deckel gab es auch noch ein Fenster!

Die Kleider werden meistens aus Polyester gearbeitet und haben fast alle denselben Schnitt ,aber unterschiedliche teils sehr grelle, leuchtende Farben, wie auf späteren Bildern noch zu sehen ist.

Meistens werden jedoch Gewänder aus verschiedenen Stoffteilen kombiniert, die sogenannten Alltagskleider.

Wieder eine Strassenüberquerung geschafft und dabei von einem Fernsehteam (vorne links auf der anderen Strassenseite) gefilmt worden, welches über unser Projekt täglich Aufzeichnungen gemacht hat.

Während hier schon fleißig aus einer "Gemischt-brillen-kiste" 1 Kiste Lesehilfen, 1x Sonnenbrillen und 1x Gebrauchtbrillen, sowie vor den Kisten der Müll sortiert wurde,

wurden draußen aus dem angelieferten Container die restlichen Kisten mit Altbrillen, Sonnenbrillen, Fertiglesehilfen und von Firmen gespendete Auslaufmodellen gestapelt, bis der Lagerraum entrümpelt war.

Vor dem Nachbarhaus wurden alle medizinischen Geräte, die im Operationsraum benötigt wurden, aus dem Container geholt, überprüft und im OP-raum aufgebaut, weil am nächsten Tag die Staroperationen beginnen sollten.

In "unserem" Raum wurde ein "Werktisch" zum Brillen biegen, richten und abgeben aufgestellt und die erste Bohrmaschine angeschlossen, während

für die andere Seite des Raumes, ein Tisch zum Brillen sortieren nach Glasstärken, und ein Regal, um in den nächsten Monaten die Schleifmaschinen aufzubauen, "organisiert" wurde. Leider waren nicht genügend Gartenstühle vorhanden, so dass wir anfangs noch auf Kisten saßen. 2 mitgebrachte Sehprobentafeln konnten auch erst aufgehängt werden, als wir unser Pflaster aus unserer Erste Hilfe Tasche hatten, - es gab keine Nägel, Hammer, Tesafilm oder Klebeband...

und nachdem die Kisten aus dem Weg geschafft waren und etwas Platz für den Sehteststuhl und den Gläserkasten "erkämpft" war,

konnten die ersten Fehlsichtigen zur Messung kommen. Die Sehprobentafel hängt rechts am Türgriff, die Pflaster hatten nicht gehalten.

Und jeden Tag das gleiche Bild: sie warten vor der Tür des Optikers

und der Tür des Augenarztes und wenn sie bei dem einen fertig untersucht waren, dann

standen sie wieder draußen und warteten, bis sie in den anderen Raum kamen, geduldig und ohne Meckern, stundenlang in der Sonne. Man stelle sich das einmal in Deutschland vor!

Auch im "Warteflur" (es gab kein Wartezimmer) zum Op-bereich standen die Leute den ganzen Tag über, manche mussten am nächsten Tag wiederkommen und sie schliefen dann draußen auf dem Rasen, um am nächsten Tag ganz vorne in der Reihe zu stehen.

Axel Helmholz, auf der Kiste sitzend, versucht in müheseliger Kleinarbeit (mit Dolmetscher, der seine Englischfragen in die Landessprache übersetzte) die richtige Glasstärke für seine "Kundin" zu ermitteln.

Leider kamen die von den Firmen gespendeten Sonnenbrillen meistens nicht einzeln verpackt hier an, aber es sieht schlimmer aus, als es war, es gab nur selten Kratzer auf den Gläsern,

aber auch die meisten Optiker habe ihre gespendeten Brillen nicht einzeln verpackt, geschweige denn die Glasstärken ausgemessen und dazugelegt.

Es war ja auch der erste Schritt, so dass wir jetzt alle Optiker bitten, die Brillen auszumessen und einzutüten. Es wird am Anfang immer noch schwierig sein, die fast passende Brille für den Kunden zu finden.

Einfacher war es da bei den Lesehilfen, da gab es nur 5 Kartons, 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 dpt und schon waren alle sortiert. Aber leider sind auch in Afrika die Augen nicht einheitlich, so dass die Lesehilfen, wie in Europa auch, nur als vorrübergehende Nothilfe abgegeben werden, bis die exakte Brillenanfertigung angefangen hat (was noch einige Monate dauern wird).

Dem Mädchen standen nicht die Haare zu Berge, weil sie den Augenarzt oder den Optiker gesehen hat!! Aber sie hatte Glück, sie brauchte keine Brille, nur Augentropfen und eine Sonnenbrille, bis alles verheilt war.

Auch wenn wir schon Namenslisten gemacht haben und die Leute aufrufen konnten, wenn wieder jemand fertig untersucht war, so standen doch alle dichtgedrängt vor der Tür

um zu sehen, was wir in den Räumen "mit den Kunden testeten".

Die Kinder wurden von den einheimischen Hilfskräften aufgeklärt, dass die Sonnenbrillen nicht nur schön aussehen, sondern die Augen vor dem grauen Star schützen sollen.

Eins von meinen Erlebnissen: dieser Mann bekommt aus einer angelieferten Brillenkiste, eine von Gevelsbergern an Helmholz-Optik gespendete Brille: sph +8.5 dpt ,extra dünne Kunststoffgläser in einer Titanfassung, einzeln eingetütet und fast ohne Kratzer! Der Mann konnte nicht glauben, dass er nach vielen Jahren endlich seine geliebte Bibel selber lesen konnte.

Morgens war der Weg über die Strasse immer noch gefährlich, aber da wir bis in die Dunkelheit arbeiteten, musste man sich den Boden der Straße genau merken, denn der Rückweg war im Finsteren nur mit einer kleinen Taschenlampe von uns beleuchtet. So war es schon von Vorteil, wenn man morgens gesehen hatte, wo nachts der Monsum etwas von der Straße verändert hatte.

Es sieht immer gleich aus, morgens, mittags, abends, als wenn wir nicht gearbeitet hätten. Die Menschen wurden scheinbar nicht weniger, denn es kamen immer neue dazu.

Und wenn man nicht durch die Türe in unseren Raum hineinsehen konnte, dann schauten die Kinder eben durch die Fenster, wie wir Sehtests durchführten und Brillen angepasst haben... und natürlich hatten wir für die Kinder morgens eine extra Portion Bananen gekauft, wir wollten doch keine hungrigen Zuschauer!

Der Sehtest mit den Lesehilfen klappte schon ganz gut, für eine Hilfskraft, die sonst am Schreibtisch der Unesco in Kampala sitzt und sie hatte sichtlich Gefallen daran gefunden, wie "einfach" es manchmal ist, Mitmenschen glücklich zu machen.

Eine Familie nutzte die lange Wartezeit, um die große Wäsche zu erledigen.

Und Sonntag ging man -nach oder vor der Kirche- in der besten Kleidung zum "Deutschen" oder "Weißen" (Muzungu) und stand aber genauso lange in der Warteschlange, wie an den Wochentagen...leider!

Natürlich waren die Damen stolz, als ich fragte, ob ich sie in ihrem schönen Kleid fotografieren dürfte,

und es gab Kleider mit dezenten Farben

aber auf der dunklen Haut wirkte jede Farbe sehr intensiv,

auch die Kopftücher waren auf das Kleid abgestimmt,

auch wenn manche Schulter etwas spitz aussah,

die Kleider waren alle sehr auffallend und wurden mit Stolz und Würde getragen.

Und hier der Beweis: Brillen aus Gevelsberg werden per Container direkt nach Uganda geliefert, ich habe sie gesehen und abgegeben. Vielen Dank an alle, die uns mit ihren alten Brillen seit JAHRZEHNTEN (3!) unterstützen, wir machen weiter, und Sie hoffentlich auch.

An jedem Abend hat Prinz Edward von Kimbugwee Sonnenbrillen an die wartenden Kinder verteilt, als Trost, weil sie noch nicht bei der Augenuntersuchung dabei waren und nächsten Tag wiederkommen mußten.

Nach 4 Tagen hatten wir endlich Klebeband, so dass wir die Sehprobentafel in Augenhöhe hängen konnten,

und da wir auch nach 19 Uhr bei Dunkelheit arbeiten wollten, aber die Deckenbeleuchtung nicht funktionierte, half nur eine mitgebrachte LED-Leselampe mit 20 Metern Verlängerungskabel.

So schön kann ein Motorrad-Taxi!!! sein. Wir haben diese Art von Taxi gesehen mit Vater, Mutter und 3 Kindern, hintereinander!!! (auf einem Motorrad!)